Der schmale Grat zwischen Vollständigkeit und Praxisorientierung
Beim Aufbau und der Pflege von Rechtskatastern begegnen uns immer wieder sehr unterschiedliche Herangehensweisen sowohl bei Kunden als auch bei anderen Anbietern.
Die einen sind wahre Sammler: Hauptsache vollständig. Jede Vorschrift, jede Richtlinie, jede Verordnung wird aufgenommen – unabhängig davon, ob sie im Unternehmensalltag tatsächlich relevant ist.
Die anderen wiederum scheinen sich aktiv gegen „zu viele“ Vorschriften zu wehren und möchten ihr Kataster möglichst schlank halten.
Beide Ansätze sind nachvollziehbar. Doch beide bergen auch Risiken.
Unser Ansatz: praxisorientiert statt papierlastig
Bei eco Compliance verfolgen wir einen klaren Grundsatz:
Compliance und Risikomanagement stehen im Mittelpunkt – und beides muss handhabbar bleiben.
Ein Rechtskataster ist kein Archiv und keine Sammlung aus Prinzip. Es ist ein Arbeitsinstrument. Und ein Instrument muss nutzbar sein.
Deshalb räumen wir regelmäßig auf, auch in unserem eigenen Mutterregister. Datensätze, die sich als nicht (mehr) relevant erweisen, werden aus der aktiven Pflege herausgenommen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Überzeugung:
Nur ein übersichtliches und praxisnahes Kataster unterstützt Unternehmen wirklich dabei, Risiken zu erkennen und Pflichten umzusetzen.
Wie viel ist „viel“ – und wie viel ist sinnvoll?
Aktuell pflegen wir rund 5.000 aktive Datensätze – von EU-Ebene bis zur Kommune, im Bereich EHS ebenso wie in der Legal Compliance. Aus unserer Sicht ist das bereits eine stark komprimierte und gefilterte Menge.
Umso mehr erstaunt es uns, wenn Anbieter auf ihren Webseiten damit werben, ihr Kataster enthalte lediglich rund 300 Vorschriften von EU bis Bundesland.
Zum Vergleich:
Allein auf Bundesebene identifizieren wir etwa 160 Vorschriften, die grundsätzlich für alle Unternehmen relevant sein können – unabhängig von Branche oder Größe.
Das zeigt, wie unterschiedlich der Begriff „Rechtskataster“ interpretiert wird.
Die tägliche Praxis: Zwischen Klarheit und Diskussion
Im Monitoring-Prozess stoßen wir regelmäßig auf neue Vorschriften, sei es durch Gesetzesänderungen, neue Regelwerke oder konkrete Kundenanfragen.
Manchmal ist die Bewertung eindeutig:
-> Ja, compliance-relevant.
-> Oder: Nein, aktuell nicht relevant.
Doch häufig beginnt genau hier die fachliche Diskussion:
- Betrifft diese Vorschrift tatsächlich Unternehmensprozesse?
- Entsteht daraus ein konkretes Haftungs- oder Organisationsrisiko?
- Ist sie prüf- oder sanktionsrelevant?
- Oder handelt es sich eher um eine theoretische Vorgabe ohne praktische Auswirkung?
Diese Abwägung ist anspruchsvoll, aber essenziell.
Unsere Leitfrage: Ist das wirklich Compliance-relevant?
Wir haben keine Sammellust.
Uns treibt nicht die Frage an: „Können wir diese Vorschrift noch aufnehmen?“
Sondern:
Ist das wirklich compliance-relevant?
Denn ein überladenes Kataster erschwert die Umsetzung, überfordert Verantwortliche und lenkt vom Wesentlichen ab.
Ein zu schlankes Kataster dagegen blendet Risiken aus, schafft Scheinsicherheit, und kann im Ernstfall teuer werden.
Der richtige Weg liegt – wie so oft – dazwischen.
Weniger Sammeln, mehr steuern
Ein gutes Rechtskataster ist kein Selbstzweck. Es ist ein Werkzeug für:
- Risikobewertung
- Verantwortung
- Umsetzbarkeit
- und Transparenz
Unser Ziel ist nicht maximale Vollständigkeit auf dem Papier, sondern maximale Wirksamkeit in der Praxis.
Denn am Ende zählt nicht, wie viele Vorschriften im System stehen –
sondern ob Unternehmen mit ihnen arbeiten können.
Und genau deshalb stellen wir uns immer wieder dieselbe Frage: